Hallo Elmar;
erstmal die unbequeme Einstiegsfrage: warum hats soo lange gedauert
um dem 2001er-Werk „Wrath Of The Weak“ einen (mehr als
gelungenen) Nachfolger zu verpassen ...
Wieso unbequem? Habt ihr uns vermisst? Spaß beiseite, das hat nicht
zuletzt finanzielle Hintergründe. Die Songs waren zum großen Teil
schon viel länger fertig, aber wir sind eben – das muss man ganz
klar sagen – keine Profiband, die den ganzen Tag nichts anderes zu
tun hat, als Musik zu machen und die ein großes Label im Kreuz hat,
das alles finanziert. Wir sehen uns zwar auf jeden Fall als
professionell agierende Combo, mussten aber nichtsdestotrotz das
Ganze selbst finanzieren und organisieren - und das geht eben
definitiv nicht jedes Jahr.
Laut der HP ist „Admissions“ ja schon seit rund einem Jahr
aufgenommen … also zuerst das Recording und dann die Labelsuche?
Wie lange hats im Studio so in etwa gedauert und wie zufrieden seid
ihr jetzt (noch) mit dem Ergebnis?
Ja wir haben komplett produziert und gemastert, bevor wir auf
Labelsuche gegangen sind. Zuvor haben wir Wochenend-weise im
Schmalkaldener Powertrack-Studio mit Enrico „Löwe“ Neidhardt
produziert. Löwe ist als Gitarrist und Bandleader von „The
Unchallenged“ ein sehr versierter Musiker und erfahrener
Studiobetreiber der als Engineer auf „Admissions“ganze Arbeit
geleistet hat. Wir sind nach wie vor ultrazufrieden mit der
Produktion. Gedauert hats glaube ich netto rund sechs Wochenenden
mithin also knapp zwei Wochen bis die Sache im Kasten war.
Das Ganze hat sich allerdings über einen längeren Zeitraum
hingezogen, weil nicht immer alle Beteiligten Zeit hatten für die
Aufnahmen. Deshalb hatten wir immer wieder wochenlange Pausen
zwischen den einzelnen Recordingsessions
Ihr seid momentan bei Badland Records an Bord – gibts erste
negative Erfahrungen oder ist derweil alles in Butter bei
Promotion/Vertrieb/Verständigung. Habt ihr auch andere Angebote
bekommen und/oder waren diese eher zwielichtiger Gestalt …
Um das sagen zu können ist es noch etwas früh, denn es gibt so
kurz nach Veröffentlichung natürlich noch keine Abrechnungen.
Promo und Bemusterung sind aber offensichtlich gut gelaufen, denn
wir haben Unmengen an Reviews in den verschiedensten Medien
bekommen.
Andere Angebote gab es tatsächlich auch, wir haben uns dann aber für
Badland entschieden weil uns auch der persönliche Kontakt sehr
wichtig ist und dieses Label praktischerweise in unserer Heimatstadt
München ansässig ist.
Wem ist denn der
etwas abgehobene „Munich´s State-Of-The-Art Metalband“-Spruch
auf eurer MySpace-Seite eingefallen? Etwas dick auftragen um
aufzufallen ist eh keine schlechte Devise – oder gibts in oder um
München keine gleichwertigen Alternativen? Wenn ja, welche Bands
sollte man sich als qualitätsbewusster Metaller denn keinesfalls
entgehen lassen?
Wir hatten damals einen Slogan für einen Aufkleber gesucht und
wollten was Einprägsames, das uns charakterisiert aber nicht zusehr
auf einen Stil festlegt. Das sollte allerdings keineswegs ausdrücken,
dass es in unserer Gegend sonst keine gleichwertigen Alternativen gäbe.
Aus München kommen im Gegenteil viele gute Metalbands:
Haggard und Equilibrium sind sicherlich zwei der Bekanntesten, aber
auch Commander oder Sycronomica sind Hausnummern die der ein oder
andere eurer Leser sicher schon aufgeschnappt hat. Wer auf
Oldschool-Thrash á la alte Kreator steht, der sollte mal Hateful
Agony anhören und natürlich gibts noch jede Menge weiterer cooler
Combos, da könnte ich jetzt noch ewig weiter aufzählen...
Was mir so an der schreibenden Konkurrenz aufgefallen ist – die
meisten finden die Musik klasse, können mit dem Gesang aber nur
wenig anfangen bzw. befinden ihn eher als Schwachpunkt. Ich finds
reine Geschmackssache. Deine Meinung als Drummer zu dem Thema würde
da schon interessieren ...
Es ist sicher richtig, dass unser Sänger polarisiert. Das liegt in
der Natur der Sache, denn üblicherweise erwartet man in der härteren
Gangart eher Shouting als melodiösen Gesang. Das ist vermutlich für
viele Hörer eine Dimension zu viel.
Im Moment sind, denke ich, auch einfach eher simpel strukturierte
Thrash Bands, wie etwa Warbringer besonders angesagt. Die
verursachen dann eben auch eine bestimmte Erwartungshaltung an
Gesang, Spieltechnik und Produktion. Da können wir halt leider
nicht mithalten, haha ;-)
Stichwort Cover: mir sind da gewisse Parallelen zum
Forbidden-Erstling „Forbidden Evil“ aufgefallen … euch auch,
haha?!? Wer hat denn das gute Ding gestaltet und inwiefern passt das
Pic zum Albumtitel?
Hat ja auch ein tolles Artwork, die erste Forbidden-Scheibe. Das Pic
mit dem Albumtitel synchronisieren zu wollen, würde allerdings
etwas zu weit gehen. Da gibt es nicht wirklich einen Zusammenhang.
Wir wollten aber auf jeden Fall irgendwas mit einem Totenschädel,
das richtig schön plastisch rüberkommt. Tja – und vielleicht
lags ja dann doch irgendwie auch am Sound, dass sich unser Grafiker
Silvio Fiorese (www.fioresedesigns.com),
der übrigens für sämtliche Red To Grey-Artworks seit Bandgründung
verantwortlich zeichnete, ein bisschen von „Forbidden Evil“ hat
inspirieren lassen. Das Cover passt also schlussendlich eher zu
unserem musikalischen Stil als zum Albumtitel.
Kannst du was über
die textlichen Geschehnisse von „Admissions“ ausplaudern? Oder
zur Not den Andy anklingeln und ihn ein bisschen dazu ausquetschen
… die Geschichte hinter „The Armour Piercing Dread“ scheint ja
eine interessante Note zu haben. Zumindest vom Titel her, Textblatt
hab ich bei der Promo leider keine anbei … ;)
Den Songs liegen die verschiedensten Themen zu Grunde. Da ist von
den abgedrehten Paranoias zugedröhnter Drogenkonsumenten bis hin
zur klassischen Gesellschaftskritik – z. B. beim Titel „Free“
– alles mit dabei. Den Text zu „The Armour Piercing Dread“
habe übrigens ich geschrieben. Da hatte ich als erstes diesen, wie
ich finde, extrem plakativen Titel und musste mir dann nur noch
einen passenden Text dazu ausdenken, haha. Herausgekommen ist dann
ein Plädoyer gegen Kriege im Allgemeinen und religiös motivierte
Kriege im Besonderen.
Was sagt ein (Thrash) Musiker zur neuen Metallica-Scheiblette?
Oder zur Thrash-Welle (naja) im Allgemeinen: alteingesessene Bands
wie Kreator, Holy Moses & Destruction (national) oder Exodus,
Slayer & Death Angel (international) sind immer noch dick im
Geschäft; gut für die jungen Bands oder wird´s für einige Zeit
abzudanken?
„Death Magnetic“ ist sicherlich das beste Metallica-Album seit
18 Jahren, aber das ist ja nun beileibe kein Kunststück, oder? Und
außerdem, wer braucht denn heutzutage noch Metallica? Ich ganz
sicher nicht. Da gibts ja mittlerweile weiß Gott bessere Metalacts.
Die anderen genannten Bands schaue und höre ich mir hingegen immer
noch gerne an, auch wenn mir deren letzte Alben nicht alle zugesagt
haben, da wäre z. B. die letzte Exodus – na ja – Schwamm drüber.
Slayer sind aber auf jeden Fall ne Klasse für sich und in Bezug auf
Death Angel hatten wir im Sommer die Ehre die Jungs bei ihrem Gig in
München supporten zu dürfen. Die habens definitiv noch drauf. Nix
mit abdanken also.
Ihr habt ja vor kurzem auch einen Videoclip zum neuen Track
„Free“ abgedreht: Was erlebt man denn da so alles an Pannen,
Wiederholungen oder Wartezeiten zwischen bzw. in den Aufnahmen.
Zahlt da die Plattenfirma am Clip mit oder kostet euch das eine hübsche
Stange Kohle?
Der Dreh ging eigentlich erfreulich reibungslos und angenehm zügig
vonstatten. Alles war gut vorbereitet. Wir haben unser Equipment in
eine alte, teilweise ausgebrannte Industriehalle in der Allgäuer
Kleinstadt Füssen geschleppt. Da wurde dann alles aufgebaut,
ausgeleuchtet und dann gings schon los. Das Hauptproblem während
der Aufnahmen war eigentlich, dass ich die Drums in dieser riesigen
Fabrikhalle real und auch entsprechend hart, spielen musste – wie
in Wirklichkeit eben. Das war allerdings unglaublich laut und hallte
wie verrückt.
Wir hatten eine wirklich starke Aktivbox als Monitor, die wir auch
voll aufreißen mussten damit ich überhaupt etwas hörte. Das
reichte dann grade so. Den Clip haben wir übrigens auch selber
finanziert, was aber im erträglichen Rahmen blieb, weil die
Filmcrew vom Schwager unseres Gitarristen Frank angeführt wurde.
"Free" - Videoclip:
Wer oder was hat dich dazu bewogen an den Drums anzutreten? Gibts
ein paar musikalische Vorbilder in diesem Metier die dich begeistern
oder anspornen?
Lustigerweise war damals Ventor von Kreator eines meiner großen
Vorbilder. Aus dem einfachen Grund, weil das relativ einfach zu
erfassen war, was der trommelte, sich aber trotzdem mörderisch
brutal anhörte. Mich haben die Drums einfach von beginn an am
meisten fasziniert. Mein allererstes Metalkonzert das ich als
Zuschauer erlebte war ein Gig von Holy Moses in Berlin. Da trommelte
damals Uli Kusch, das war einfach unglaublich – diese Power und
doch so locker und cool dabei. Das wollte ich unbedingt auch können.
Später waren dann auch Leute wie Gene Hoglan oder Sean Reinert ein
großer Einfluss für mich. Dave Lombardo auch – der ist auch
heute noch einer meiner Faves. Ach ja und Mike Terrana natürlich
auch. Es muss in jedem Fall ordentlich zugelangt werden: schließlich
heißt es ja Schlag- und nicht Sreichelzeuger ;-)

Studiowork ...
Ich nehm mal an
dass, vor allem durch die Tatsache dass RED TO GREY mehr Hobby als
Beruf sind, die wenigen Liveauftritte auch in Zukunft nicht mehr
werden: Wollt ihr trotzdem mal eine kleine Tour auf die Beine
stellen oder bleibts bei vereinzelten (Wochenend)Gigs?
Doch, ein bisschen öfter wirds in Zukunft schon sein - mit der
neuen Scheibe am Start wollen wir natürlich auch wieder auf die Bühne.
Für eine zusammenhängende Tour wirds aber wahrscheinlich nicht
reichen. Wenn du ins Vorprogramm einer bekannteren Band willst, heißt
das heutzutage fast immer Pay-To-Play ... und dann haben wir natürlich
alle unsere Jobs, da ist es auch nicht immer einfach dass alle fünf
Leute gleichzeitig wochenlang Urlaub genehmigt bekommen. Es wird
also wohl weiterhin in erster Linie Wochenend-Gigs geben.
Was wäre denn für dich das absolute Traum-Line-Up – wo dann
natürlich auch R2G (schönes Kürzel, oder) aufgeigen dürften?
Gibts dazu auch eine Wunschlocation ... aber sag jetzt bittebitte
nicht Wacken ;)
Tja im Vorprogramm von Death Angel hatten wir ja fast schon so eine
Traumkonstellation. Ansonsten wärs schön, mal mit Bands wie
Forbidden, Nevermore oder Testament aufzutreten. Am besten auf
irgendnem Open Air bei schönem Wetter und anschließend großer
Backstage Party. Muss ja nicht unbedingt Wacken sein, da gibts ja
heute sehr viele Alternativen ...
Letzte Worte aus unserem "Lieblingsnachbarland"?
Prost! International genug, oder?