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Die Münchner Red To Grey haben mit "Admissions" eine Perle in stilvoll progressiver Schnittmenge aus Power- und Thrash Metal an den Start gebracht, die wohl nicht nur meine Wenigkeit begeistern dürfte. Drummer Elmar steht uns Rede und Antwort …
DarkScene: "Admissions"
(zum Review) hat nun einige Wochen
am Buckel und durchwegs tolle Kritiken erhalten. Erzähl uns von
den Reaktionen. Wie steht ihr nun, mit einigem Abstand selbst zu
Eurem Album. Ich denke ihr seid zu recht stolz darauf.
1: Elmar: Ja, sind wir in der
Tat. Wir haben uns mit Songwriting, Produktion und Covergestaltung
ausgiebig Zeit gelassen, damit auch wirklich alles so wird, wie
wir uns das vorgestellt haben. Was uns am neuen Album immer noch
ganz speziell gefällt ist die verhältnismäßig große breite
musikalische Bandbreite, die wir in unseren bisherigen Alben immer
hatten und die wir auch jetzt wieder erreicht haben. Es gibt
straighte Prügler wie "In The Darkest
Corner", aber eben auch mal ne langsamere Nummer wie
z. B. unseren Video-Track "Free".
So wird’s nie langweilig.
DarkScene: Sieben Jahre sind seit
Eurem Debüt "Wrath Of The Weak"
ins Land gezogen. Was haben Red To Grey
in der Zwischenzeit gemacht, hat die Arbeit zum neuen Album
wirklich so lange gedauert. Wie sicher war es überhaupt, dass ihr
noch ein Album an den Start bringen würdet. Nach so langer Zeit
hat manch einer wohl nicht mehr mit Euch gerechnet.
1: Elmar: Sieben Jahre sind in
der Tat eine lange Zeit, aber uns kam’s irgendwie gar nicht so
vor. Wir waren auch nie weg, sondern haben in der Zwischenzeit
viele Gigs gespielt. Es war auch nie die Frage, ob wir ein
Album machen würden, sondern allenfalls wann. So was ist
ja bekanntlich nicht ganz billig und wir fahren bei unseren Alben
ganz bewusst nicht die Billigheimer-Schiene mit Ad-Hoc-Recordings
im Proberaum, sondern wollen ein Produkt abliefern, das auch
international keine Vergleich scheuen muss. Ich denke das ist uns
mit "Admissions" auch
wieder gelungen, geht aber aus finanziellen Gründen definitiv
nicht alle zwei Jahre.
DarkScene: Wie schwer war es, ein
geeignetes Label zu finden und wie sehr seid ihr mit der
bisherigen Unterstützung zufrieden.
1: Elmar: Ein Label vorab für
eine Scheibe zu begeistern, die es noch gar nicht gibt ist
prinzipiell ja nicht ganz einfach. Wir haben daher "Admissions"
komplett auf eigene Kosten produziert und gemastert und uns dann
erst auf die große Labelsuche begeben. Wir haben uns dann nach
reiflicher Überlegung für Badland Records entschieden, weil die
a) in unserer Heimatstadt München residieren und somit für uns
relativ leicht „greifbar“ sind und wir b) den Nick, der dort für
A&R zuständig ist, gut kennen. Genaue Zahlen, wie "Admissions"
bisher gelaufen ist, habe ich zwar noch keine, aber die Promo hat
offensichtlich gut funktioniert, da wir sehr viele Rezis und auch
schon mehrere Interviews bei den verschiedensten Medien bekommen
haben.
DarkScene: Worin liegt der Unterschied
zwischen Red To Grey 2008 im
Vergleich zu der Band, die ihr beim Debüt gewesen seid?
1: Elmar: Bei Bandgründung
1998 waren wir weitaus progressiver. Auf unserer ersten Demo-CD "Circle
Of Pain" waren unter anderem Stücke mit drauf, die
ziemlich nach Death bzw. der
Gesangslinie wegen nach Control Denied
klangen. Heute sind wir da eher gemäßigt, die Songs sind
wesentlich geradliniger und krasse Tempowechsel während eines
Songs gibt’s bei uns heute praktisch nicht mehr.
DarkScene: Kommen wir zurück zu "Admissions".
Die Scheibe scheint rundum gelungen. Vom Artwork über die Songs
bis zur Produktion. Ich denke ihr seid restlos zufrieden.
1: Elmar: Das kann man so sagen
– ja. Speziell die Produktion begeistert mich persönlich immer
wieder. Wir haben ja im Schmalkaldener Powertrack-Studio mit
Enrico „Löwe“ Neidhardt von „The Unchallenged“ produziert
und mit Achim Köhler zum Schluss – will heißen fürs Mastering
– noch mal nen großen Namen mit ins Boot geholt. Das hat sich
auf jeden Fall ausgezahlt. Fürs Cover hat außerdem unser alter
Kumpel Fio von Fioresedesigns (www.fioredesigns.com),
der auch schon für die Artworks unserer beiden ersten beiden
Platten verantwortlich gezeichnet hat, wieder mal ganze Arbeit
geleistet, sodass wir optisch und akustisch eine wirklich runde
Sache am Start haben.
DarkScene: Erzähl von Eurer
Arbeitsweise. Ihr habt ja nicht gerade unkomplizierte, sondern
sehr durchdachte Songs am Start. Wie arbeitet ihr an Eurer Musik.
1: Elmar: Meist kommt entweder
Tino oder Frank mit einem kompletten Song an, der dann ausgetüftelt
wird, bis alles passt. Wir spielen auch live gerne den einen oder
anderen Song. Auf diese Weise sieht man dann schnell, ob eine
Nummer zündet. Tja und dann wird vor dem Studiotermin noch mal
vorproduziert. Im Falle von "Admissions"
war das übrigens eine Achtspur-Produktion auf einer alten
Fostex-Bandmaschine. Da hatten wir dann eine im wahrsten Sinn des
Wortes old-schoolige Demoproduktion, anhand derer wir dann
ermitteln konnten, wie die Sachen auf Konserve klingen würden.
Nachdem wir dann noch ein paar „Grate“ abgefeilt hatten
ging’s schlussendlich an die richtige Produktion, die wir an fünf
oder sechs Wochenenden durchgezogen haben.
DarkScene: Ihr zieht Euer Ding
konsequent durch. Anstatt hemmungslos auf den aktuell angesagten
old-school Thrash Marke Fueled By Fire
oder Bonded By Blood aufzuspringen
scheut ihr Euch – zum Glück – keineswegs, die saftige, jedoch
auch sperrige Control Denied oder Nevermore
Keule einzubauen und Eure Fühler gleichermaßen in die thrashige,
wie auch progressive Power Metal-lastige Richtung auszustrecken.
Versteh mich nicht falsch, ich persönlich finde genau dies so
grandios am Album, zumal es durch die Paarung old-schooliger
Songstrukturen mit modernem Sound absolut zeitgemäß und für alt
und jung interessant ist. Ihr hättet es Euch allerdings einfacher
machen können oder?
1: Elmar: Darum ging’s nicht.
Einfach ist ja das Musik machen grundsätzlich nicht. Um fünf
Leute auf Dauer mit aller nötigen Begeisterung und Leidenschaft
musikalisch aneinander zu binden, müssen alle restlos von der
Richtung überzeugt sein. Und da wir das Ganze ja aus Spaß an der
Freud machen und nicht des Geldes wegen, gab’s da nie ne
Diskussion. Wir stehen übrigens alle sowohl auf old-schoolige
Sachen wie Forbidden, Exodus
oder Death, hören uns aber
gleichzeitig auch Bands wie Unearth
oder As I Lay Dying an. Schnittmenge
ist dann halt irgendwo zwischen Exodus,
Nevermore und Death
Angel.
DarkScene: Was sind Deiner Ansicht
nach die Stärken von Red To Grey,
welche der neuen Songs liegen dir besonders am Herzen und warum?
1: Elmar: Die Tatsache, dass
wir nicht erst seit gestern Musik machen, hat uns sicher von
Anfang an sehr geholfen. Wir hatten ja sämtlich schon vor Red
To Grey in anderen Bands gespielt und teilweise auch schon
Alben veröffentlicht. Da weiß man dann, wo’s musikalisch lang
geht. Auf "Admissions" mag
ich vor allem den Titelsong, "The
Armour Piercing Dread", "Sweet
Suffering" und "In The
Darkest Corner" und dann natürlich den Track unseres
Videoclips "Free". Da kann
ich mich live nach all dem Gebolze immer ein bisschen erholen.
DarkScene: Wie bereits erwähnt habt
ihr ein cooles Video zum Hammersong "Free"
veröffentlicht, das sehr professionell rüberkommt. Eine tolle
Sache und trotz aller Erfahrung immer wieder was Besonderes und
eine tolle Erfahrung.
1: Elmar: Ja und nein. "Free"
war ja nicht unser erster Clip. Wir hatten 2002 schon mal unseren
Song "Moralizer" vom "Wrath
Of The Weak"-Album optisch veredelt – zu sehen übrigens
auch auf unserer MySpace-Seite.
Der Traum eines Videos ist also schon früher in Erfüllung
gegangen, aber natürlich war’s ne coole Sache, wieder mal einen
Clip zu machen. Das war diesmal auch wesentlich aufwändiger. Beim
ersten Mal hatten wir noch im Keller meiner Eltern und im
Proberaum aufgenommen. Diesmal diente ne richtig düstere,
ehemalige Textilfabrik als Kulisse, wir hatten mehrere Kameras am
Set und haben außerdem auch noch gespielte Szenen mit einem
Schauspieler mit eingebunden.
"Free"
DarkScene: Ihr seid in der gleichen
Situation, wie viele andere Bands Eurer Größenordnung. Ihr habt
ein super Album am Start, wisst aber wohl auch, dass die Musik
finanziell nicht unbedingt abendfüllend sein kann. Wie geht man
mit der Situation um, zumal man weit weniger talentierte Bands
sieht, die mit schlechteren Alben richtig Kohle machen und sich
somit zu 100 % auf ihre Kunst konzentrieren und Tournee fahren können.
Ein schweres Los?
1: Elmar: In der Tat macht das
aktuelle Überangebot an Bands die Sache nicht eben leichter. Am
problematischsten ist in meinen Augen, dass man kaum noch
kostendeckend auftreten kann, vor allem dann nicht, wenn man
weitere Strecken Anfahrt hat. Der Sprit ist ja nicht grade billig
heutzutage und man muss ja doch immer einen Haufen Equipment
mitschleppen. Aber richtig Kohle verdienen war im Metal ja noch
nie einfach, zumindest seit den späten 80ern nicht mehr. Da muss
dann halt der vorhin zitierte Spaß an der Freud die monetären
Anreize ersetzen.
DarkScene: Wer sind die großen
Vorbilder für Red To Grey, bzw. an
welchen alten und auch jungen Bands orientiert ihr Euch. Wenn überhaupt
…
1: Elmar: Das ist relativ
einfach, beantwortet: Die alten Bay-Area-Helden, also Forbidden,
Exodus, Testament,
aber auch die Moderne, wie z. B. Nevermore
oder Arch Enemy.
DarkScene: Was sind die nächsten
Ziele für Red To Grey. Wie weit
glaubt ihr kann der Weg noch gehen …
1: Elmar: Wir streben jetzt
erst mal wieder die Bühnen dieser Welt an. Mal sehen, ob bei den
Sommerfestivals 2009 was geht. Vermutlich nicht in Wacken oder bei
Summer Breeze und Co., das wäre doch etwas vermessen, aber
vielleicht ergibt sich der ein oder andere Slot auf den etwas
kleineren Sommerbühnen – mal sehen. Ins Studio gehts aber nächstes
Jahr definitiv noch nicht, obwohl fünf neue Songs schon jetzt
weitgehend fertig sind.
DarkScene: Zum Abschluss die Darkscene
Standardfragen, die jeder Musiker beantworten muss:
Deine Alltime Faves (Artist/Record)
1: Elmar: Slayer
– alles
Death – alles Dimmu Borgir – "Puritanical Euphoric Misantrophia" Fates Warning – "Parallels" Nevermore – "Dead Heart In A Dead World"
DarkScene: Deine aktuellen Top Five
(Artist/Records)
1: Elmar: Nevermore
– "The Year Of The Voyager"
Arch Enemy – "Tyrants Of The Rising Sun" Mercenary – "Architect Of Lies" Perzonal War – "Bloodline" Unearth – "The March"
DarkScene: Dein aktueller
Lieblingssong (Artist/Record):
1: Elmar: Mercenary
– "My Secret Window"
DarkScene: Vielen Dank für das
Interview und wenn Dir noch was auf der Zunge liegt, raus damit
…
1: Elmar: Auf diese
Aufforderung hin muss hier natürlich erst mal das obligatorische
„Kauft euch alle unsere neue Scheibe“ kommen. Wenn ihr auf Bay
Area Thrash steht, lasst den allgegenwärtigen "Todesmagneten"
lieber im Regal stehen und legt euch "Admissions"
zu.
Support the Bavaria-Area! www.redtogrey.de
Review zu "Admissions" von DarksceneTom
Nicht nur in den Staaten
schwingt die Thrash Keule. Auch wenn zuletzt vor allem Newcomer der
Marke Bonded By Blood, Warbringer
oder Toxic Holocaust für Aufsehen im
Lager der old-school Fraktion sorgten, auch unser Kontinent ist
immer noch für große Taten des Genres gut. Dabei sind Red
Ro Grey gar nicht so unverbraucht und neu, wie man vielleicht
glauben mag. |